Gefährdungsbeurteilung


Allgemeines & regulatorische Grundlagen der Gefährdungsbeurteilung

Es gibt in Deutschland keine gesetzlichen Vorgaben nach denen eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen ist. Dennoch ist sie „das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz.“ 1)BAuA – Gefährdungsbeurteilung

So wird sie in diversen Verordnungen (z.B. GefStoffV, BioStoffV, …) mit Verweis auf §5 des Arbeitsschutzgesetzes gefordert:

Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. 2)§5, Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG)


die sieben Schritte einer Gefährdungsbeurteilung

Die sieben Schritte einer Gefährdungsbeurteilung

1 Vorbereiten der Gefährdungsbeurteilung

In der Vorbereitung zur Gefährdungsbeurteilung müssen die grundlegenden Fragen geklärt werden:

  • Welcher Personenkreis nimmt an der Erstellung teil?
  • Wie ist die Organisation der Betriebes?
    z.B. Gliederung in Abteilungen oder Arbeitsbereiche vornehmen. Oft kann man sich dabei am Organigramm orientieren
  • In welchen Einheiten soll die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?
    z.B. abteilungsbezogen, stoffbezogen, personenbezogen, berufsgruppenbezogen, oder eine Mischung aus mehreren der Punkt

2 Ermitteln der Gefährdung

Anschließend müssen alle Gefährdungen für das Wohl des Arbeitnehmers ermittelt werden. Dies gilt sowohl für akute (z.B. Unfälle) als auch chronische (z.B. Berufskrankheiten) und beinhaltet die folgende Aspekte:

Dies beinhaltet die folgenden Aspekte:

  • Mechanische Gefährdungen (z.B. ungeschützt bewegte Maschinenteile, Sturz, Ausrutschen, Stolpern, Umknicken)
  • Elektrische Gefährdungen (z.B. elektrischer Schlag, Lichtbögen, etc.)
  • Gefahrstoffe (Hautkontakt, Inhalation, Brand- und Explosionsgefahr)
  • Biologische Arbeitsstoffe (z.B. pathogene Mikroorganismen, Infektiöses Material, etc.)
  • Brand- und Explosionsgefährdungen (z.B. brennbare Feststoffe, Flüssigkeiten, Gase, explosionsfähige Atmosphäre, Explosivstoffe, etc.)
  • Thermische Gefährdungen (z.B. heiße oder kalte Oberflächen)
  • Gefährdung durch spezielle physikalische Einwirkungen (z.B. Lärm, Strahlung, UV-Licht, Vibrationen, etc.)
  • Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen (z.B. Hitze, Kälte, unzureichende Lüftung, Luftfeuchtigkeit, Ergonomie, etc.)
  • Physische Belastung/Arbeitsschwere (z.B. Heben hoher Lasten, Arbeiten in Zwangshaltung, Ergonomie, etc.)
  • Psychische Faktoren (z.B. Über-/Unterforderung, Zeitdruck, Konflikte, etc,)
  • Sonstige Gefährdungen (z.B. mangelnde Qualifikation, Tierbisse, Überfälle, etc.) 3)Leitlinie Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation, Geschäftsstelle der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz

Dies kann sowohl präventiv z.B. durch Auswertung der Fachliteratur, TRGS, Richtlinien der DGUV usw. als auch durch Auswertung von Vorfällen geschehen.

3 Beurteilen der Gefährdung

Die unter Schritt 2 identifizierte Gefährdungen müssen nun bewertet werden. Dabei muss man sich für jede die Frage stellen; „Ist sie dazu geeignet die Gesundheit des Arbeitnehmers akut oder langfristig zu schädigen?“

4 Festlegen der Maßnahmen

Wurde eine Gefährdung als relevantes Risiko für die die Gesundheit des Arbeitnehmers befunden, werde Maßnahmen festgelegt, die das Risiko wirksam reduzieren. Diese Maßnahmen können technischer, organisatorischer und personenbezogener Natur sein.
Bei der Auswahl sollte dem hierarchischen „STOP-Prinzip“ gefolgt werden:

Das STOP-Prinzip zur Hierarchie bei der Auswahl von Arbeitsschutzmaßnahmen

Am Beispiel einer Risikominimierung bei einem inhalationstoxischen Gefahrstoff: Zuerst sollte der Stoff durch einen harmloseren ersetzt werden (Substitution). Ist dies nicht möglich wird z.B. ein Punktabzug installiert (technische Maßnahme) um die Expositionsgefahr durch zu reduzieren. Können auch diese nicht getroffen werden, wird erst auf organisatorische (z.B. Reduktion der Expositionsdauer) und persönliche Maßnahmen (z.B. Schulungen, arbeitsmedizinsiche Vorsorge, persönliche Schutzausrüstung) getroffen.

Substitution und technische Schutzmaßnahmen sollten als immer vorrangig getroffen werden.

5 Durchführen der Maßnahmen

Sind die Gefährdungen und das von ihr ausgehende Risiko ermittelt, die entsprechenden Maßnahmen nach der STOP-Hierarchie getroffen gilt es diese umzusetzen.
Dazu wird für jede Maßnahme ein Verantwortlicher benannt und ein Termin gesetzt.

6 Überprüfen der Maßnahmen

Sind die Maßnahmen umgesetzt werden die drei folgenden Aspekte jeder Maßnahme überprüft:

  • Wurde die Maßnahme fristgerecht umgesetzt?
  • Ist sie wirksam (dies ist formal und z.B, messtechnisch zu belegen)?
  • Bleibt das Risiko wirksam reduziert oder sind weitere Maßnahmen nötig?

7 Fortführen des Systems

Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben innerhalb welcher Zeiträume ein Arbeitssicherheitssystem zu prüfen ist. Es empfiehlt sich aber zeitlich mindestens eine jährliche Überprüfung der weiteren Gültigkeit und Wirksamkeit.

Weiterhin muss es anlassbezogen überprüft werden. Ein Anlass dafür kann sein:

  • Erkennen bisher nicht beurteilter Gefährdungen
  • Auftreten von Arbeitsunfällen, Beinaheunfällen, Berufskrankheiten, hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten
  • Einführung neuer Arbeitsstoffe, -mittel oder -verfahren
  • Umgestaltung von Arbeits- und Verkehrsbereichen
  • Änderungen der Arbeitsorganisation und/oder Tätigkeitsabläufe
  • neue Erkenntnisse zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, Gefahrstoffeinstufungen, etc.