Mikroplastik

Der Begriff „Mikroplastik“ ist nicht einheitlich definiert, wird aber typischerweise als Bezeichnung für kleine, meist mikroskopisch kleine, feste Partikel aus einem synthetischen Polymer. Sie werden mit einer langfristigen Persistenz in der Umwelt in Verbindung gebracht, da sie sehr resistent gegenüber (Bio)abbau sind.



Definition des Begriffs Mikroplastik

Bei der Definition des Begriffs Mikroplastik herrscht noch Uneinigkeit. Hier einige der aktuellen Vorschläge:

  • „A material consisting of solid polymer-containing particles, to which additives or other substances may have been added, and where ≥ 1% w/w of particles have all dimensions 1nm ≤ x ≤ 5mm, or, for fibres, a length of 3nm ≤ x ≤ 15mm and length to diameter ratio of >3.2“ 
  • „Mikroplastik bezeichnet unter Standardbedingungen feste Partikel und Fasern aus thermoplastischen, elastomeren und duroplatischen Polymeren, die direkt oder indirekt durch menschliches Handeln entstanden sind. […]Wir schlagen weiterhin vor, auf eine Beschränkung des Partikelgrößenbereichs zu verzichten und keine Anforderungen zur Bioabbaubarkeit festzulegen […]. Eine Ausweitung des Begriffs Mikroplastik auf gelöste, gelartige und flüssige Polymere ist nicht sinnvoll.“
  • „Als primäres Mikroplastik werden Partikel bezeichnet, die bei ihrem Umwelt-Eintritt bereits kleiner als fünf Millimeter sind. Dazu gehört z.B. der in der Kosmetikindustrie verwendete partikuläre Kunststoff. Allerdings werden auch flüssige Kunststoffe etwa als Trübungs- oder Bindemittel eingesetzt.“
  • „Der BUND hält sich an die wissenschaftliche Definition, nach der als Mikroplastik alle synthetischen Polymere bezeichnet werden, die kleiner als 5 Millimeter sind. Kunststoffe, die in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie eingesetzt werden, sind sehr unterschiedlich in ihrer Formmasse und haben eine breite Größenspanne. Daher beinhaltet die Definition des BUND weder eine Untergrenze noch eine Formmassenangabe, sondern die Obergrenze von 5 Millimetern, was alle synthetischen Polymere einschließt.“
  • „Ausgehend von Arbeiten im internationalen Meeresschutz wurde vereinbart, alle Plastikpartikel von fünf Millimetern und kleiner als Mikroplastik zu bezeichnen. Damit werden zunächst nur werkstoffliche Materialien (Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere) gefasst. Hinsichtlich der Stoffeigenschaften und weiterer Kriterien (z.B. Form) wurden bislang keine vergleichbaren Festlegungen getroffen.“

In der Diskussion befinden sich derzeit also sowohl die Partikelgröße als auch die Art der Polymere die unter die Definition Mikroplastik fallen sollen.


Unterscheidung primäres und sekundäres Mikroplastik

Als primäres Mikroplastik bezeichnet man solches das bereits in seiner Form produziert wird (z.B. Peelinkörper).
Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffeinheiten (z.B. eine PET-Flasche die ins Wasser geworfen, durch die Sonneneinstrahlung brüchig wurde und dann durch Bewegung in der Meeresströumng in kleinste Stücke zerfallen ist). Aber auch der „Abrieb von Autoreifen [ist] eine bedeutende Quelle für [sekundäres] Mikroplastik in der Umwelt“

Spricht man also von Mikorplastik in Kosmetik, spricht man in der Regel von primärem Mikroplastik.


Stoffe im Kosmetika die im Zusammenhang mit Mikroplastik erwähnt werden

  • Acrylates Copolymer
  • Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer
  • Acrylate Crosspolymer
  • Butylene/Ethylene/Styrene Copolymer
  • Cyclotetrasiloxane
  • Cyclopentasiloxane
  • Cyclohexasiloxane
  • Cyclomethicone
  • Dimethicone
  • Dimethiconol
  • Ethylene/Acrylic Acid Copolymer
  • Ethylene/Acrylate Copolymer
  • Ethylene/Methacrylate Copolymer
  • Ethylene/Propylene/Styrene Copolymer
  • Ethylenvinylacetat
  • Methicone
  • Methyl Methacrylate Crosspolymer
  • Nylon-XX
  • Polyacrylate
  • Polyamide (z.B. Nylon, Nylon-6 und Nylon-12)
  • Polybutene
  • Polyethylen
  • Polyethylenglycol
  • Polyethylenterephthalat
  • Polymethylmethacrylat
  • Polypropylene
  • Polypropylengycol
  • Polybutyleneterephthalate
  • Polymethyl Methacrylate
  • Polypropylene
  • Polypropyleneterephthalete
  • Polyethylene Isoterephthalate
  • Polylactic Acid
  • Polymethylsilsesquioxane
  • Polyquaternium,Polyquaternium-XX
  • Polysstyrol
  • Polystyrene
  • Polytetrafluoroethyleneacetoxypropyl Betaine
  • Polytetrafluoroethylene
  • Polyurethane
  • Polyurethane Crosspolymer-1
  • Polyurethane Crosspolymer-2
  • Polyvinylpyrrolidone (PVP)
  • Siloxane
  • Silsesquioxane
  • Styrene/Acrylates/Ammonium Methacylate Copolymer
  • Styrene Acrylates Coplymer
  • Trimethylsiloxysilicate
  • Vinyl Dimethicone/Methicone Silsesquioxane Crosspolymer

Gefahren für den Menschen durch Mikroplastik in kosmetischen Mitteln

In seiner Mitteilung BfR: 033/2018 – Gibt es ein Gesundheitsrisiko für den Menschen durch Mikroplastik? sieht das Bundesamt für Risikobewertung derzeit keine Gefahr für den Menschen durch Mikroplastik in kosmetischen Mitteln:

„Nach jetzigem Kenntnisstand ist ein gesundheitliches Risiko auch durch dermale oder unbeabsichtigte orale Aufnahme über Peelings oder Duschgele aus Sicht des BfR unwahrscheinlich, da die dort vorkommenden Mikrokunststoffpartikel größer als 1 µm sind.
Bei dieser Partikelgröße ist bei vorhersehbarem Gebrauch der Produkte eine Aufnahme über die gesunde und intakte Haut nicht zu erwarten. Auch beim zufälligen Verschlucken von Kosmetikprodukten ist davon auszugehen, dass eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt nur in geringem Maße und nur bei Partikeln von wenigen Mikrometern Größe möglich wäre und dass der überwiegende Teil der Partikel über den Stuhl ausgeschieden wird.
Dass während der Passage durch den Magen-Darm-Trakt gesundheitlich relevante Mengen an Ethylen aus Polyethylen von Mikrokunststoffpartikeln freigesetzt werden, ist aus Sicht des BfR unwahrscheinlich.“

BfR: 033/2018 – Gibt es ein Gesundheitsrisiko für den Menschen durch Mikroplastik? Mehr Forschung und wissenschaftliche Daten notwendig

Aktuelle Bestreben seitens der Kosmetikindustrie

Auf freiwilliger Basis haben fast alle Unternehmen den Ausstieg aus der Verwendung dieser Inhaltsstoffe angekündigt oder schon umgesetzt.

Nach Informationen des europäischen Kosmetikverbandes Cosmetics Europe ist die eingesetzte Menge an Mikroplastik zwischen 2012 und 2017 bereits um 97.6% Prozent zurückgegangen.

Umweltverbände wie z.B. Greenpeace zweifeln dies aber massiv an und fordern ein Verbot von (Mikro-)Plastik in kosmetischen Mitteln. (siehe: Greenpeace: (Mikro-)Plastik in Kosmetik)


Aktuelle Bestreben seitens der EU (ECHA)

Am Mittwoch, 30. Januar 2019 hat die ECHA einen Beschränkungsvorschlag eingereicht, der das absichtliche Zusetzen von Mikroplastikpartikeln zu Produkten für den Verbrauch durch professionelle Anwender und Endverbraucher verbietet.

siehe: Restricting the use of intentionally added microplastic particles to consumer or professional use products of any kind.

„Die Europäische Kommission berichtet, dass mit einem Regelungsentwurf zu Mikroplastik im Spätjahr 2021 zu rechnen ist. Dann wird abzusehen sein, wie zukünftige Regelungen in Bezug auf kosmetische Mittel, insbesondere für Leave-on-Produkte, aussehen könnten .“


Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt und den Menschen

  • Zwei Studien fanden heraus, dass 192 an Küsten gelegene Länder im Jahre 2010 – hauptsächlich über 10 Flusssysteme (8 in Asien und zwei in Afrika) eine Menge von fast 300 Millionen Tonnen an Plastikabfällen in die Ozeane eingetragen haben.
  • Dort wurde es bereits in Tiefen von bis zu 8250m nachgewiesen.
  • Durch Witterungseinflüsse werden große Teile davon im Laufe der Zeit zu sekundärem Mikroplastik. Zusammen mit dem primären werden diese von Meeresbewohnern aufgenommen, stören deren Organismen und Ökosysteme und finden letztendlich über die Nahrungskette den Weg zum Menschen zurück.
  • So fand eine Studie an 8 Probanden heraus, dass sich in deren Stuhl im Schnitt 20 Mikroplastikpartikel (zwischen 50 und 500 µm Größe) pro 10g befanden. Insgesamt wurden dabei 9 Kunststoffarten gefunden unter denen Polypropylen and Polyethyleneterephthalat am häufigsten vertreten waren.
  • Eine im August 2021 veröffentlichte Studie zeigt einen direkten physikalischen Einfluss von Mikroplastik auf die Membrane von Zellen.

Bekanntheit des Themas Mikroplastik in der Öffentlichkeit

Laut Verbrauchermonitor 08/2020 des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) ist das Thema Mikroplastik (in Lebensmitteln) für 93% der Befragten ein Begriff.


Mögliche Alternativen zu Mikroplastik

  • Aprikosen- oder Mandelkerne,
  • Kaffee
  • Bambus
  • pflanzliche Wachse, beispielsweise Jojoba-Wachsperlen

Siehe auch


Nachweise

1.
Fleury, J.-B. & Baulin, V. A. Microplastics destabilize lipid membranes by mechanical stretching. PNAS 118, (2021).
1.
Schwabl, P. et al. Detection of Various Microplastics in Human Stool: A Prospective Case Series. Ann Intern Med 171, 453 (2019).
1.
Schmidt, C., Krauth, T. & Wagner, S. Export of Plastic Debris by Rivers into the Sea. Environ. Sci. Technol. 51, 12246–12253 (2017).
1.
Jambeck, J. R. et al. Plastic waste inputs from land into the ocean. Science 347, 768–771 (2015).
1.
All about plastic microbeads. Cosmetics Europe - The Personal Care Association
1.
Abel, S. M., Primpke, S., Int-Veen, I., Brandt, A. & Gerdts, G. Systematic identification of microplastics in abyssal and hadal sediments of the Kuril Kamchatka trench. Environmental Pollution 269, 116095 (2021).
1.
Meunier, C. Mikroplastik in Kosmetika – Was ist das? Umweltbundesamt (2016).
1.
BUND-Einkaufsratgeber: Mikroplastik. BUND - BUND für Naturschutz und Umwelt in Deutschland (2020).
1.
Mikroplastik in Kosmetik - Fraunhofer UMSICHT. Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT (2018).